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Gewinnerentwurf Realisierungswettbewerb Nürnberg, Schnieglinger Straße 54

Ein modernes Stadtrefugium in Nürnberg St. Johannis

Abbildungsbeispiel, kann von tatsächlicher Bauausführung abweichen.

St. Johannis ist als eine der schönsten Wohngegenden Nürnbergs bekannt. Lebendiges Stadtleben und eine charmante Mischung aus sanierten Altbauten und moderner Architektur prägen den Charakter des Viertels. Am westlichen Rande von St. Johannis realisiert die SCHULTHEISS Unternehmensgruppe ein besonderes Bauprojekt: In naher Zukunft entstehen auf dem etwa 6250 Quadratmeter großen Areal an der Kreuzung Schnieglinger Straße und Nordwestring rund 110 Wohnungen.

Realisierungswettbewerb zunächst mit überraschendem Ergebnis

Für das Bauvorhaben auf dem Grundstück wurde Ende 2019 ein Realisierungswettbewerb ausgelobt an dem elf eingeladene Architekturbüros teilnahmen. Eine siebenköpfige Jury, bestehend aus Architekten sowie Vertretern des Stadtplanungsamtes der Stadt Nürnberg, urteilte im Dezember 2019 über die Entwürfe. Als sachverständige Berater waren auch die Vorsitzenden des Bürgervereins St. Johannis involviert. Zunächst endete der Realisierungswettbewerb mit einem unerwarteten Ergebnis: Die Jury entschied sich, zwei zweite Plätze an Gräßel Architekten, Erlangen und HSM Architekten + Stadtplaner, Kulmbach sowie einen dritten Platz an WWA Architekten, München zu vergeben. Man habe sich bei den beiden Arbeiten nicht auf einen eindeutigen Sieger festlegen können, so Prof. Georg Sahner, Vorsitzender des Preisgerichts. Schlussendlich musste für die Umsetzung dennoch eine finale Auswahl her — und so wurde, nach weiteren Gesprächen mit Jury und Teilnehmern Anfang 2020 beschlossen, dass sich für eine Realisierung der Entwurf von Gräßel Architekten am besten eigne.

„Die Entscheidung fiel letztlich, mit dem Blick auf architektonische und funktionale Qualitäten, auf die  Arbeit von Gräßel Architekten. Jetzt steht die detaillierte Durch- und Ausarbeitung des Entwurfs an, bei der Grundrissplanung besteht beispielsweise noch Optimierungspotential. In der Jury haben wir uns zudem dafür ausgesprochen, dass noch eine Baumreihe entlang des Nordrings realisiert werden sollte. Die Arbeit besticht insgesamt durch ihr klares Bekenntnis zum Blockrand zur Straße hin, durch die zurückspringenden Treppenhäuser ist die Fassade angenehm gegliedert. Der Entwurf Gräßel hat mit dem kleinen Platz im Norden einen sehr attraktiven Übergang zu den Bestandsgebäuden und wertvollen Beitrag für das Leben im Quartier geschaffen. Überzeugend ist auch die siebengeschossige Ausformulierung und Betonung der Ecke zur Kreuzung, die einen stimmigen Orientierungspunkt und eine klare Adressbildung schafft. Die Klinkerfassade wirkt lebendig und verspricht eine hohe Qualität und Langlebigkeit. Am Ende des Realisierungswettbewerbs sind wir deshalb glücklich über eine gute Wahl und freuen uns darauf gemeinsam mit dem Büro Gräßel einen Teil lebenswerte Stadt zu realisieren.“
- Rüdiger Sickenberg, Vorstand Schultheiss Wohnbau AG

Angesichts der urbanen Lage des Grundstücks stand für Architekt Tim Gräßel und sein Team neben funktionalen, hellen Grundrissen der Lärmschutz für die Bewohner ganz oben auf der Agenda. Die konsequente Blockrandbebauung sei daher „die erste wichtige Entscheidung für eine hohe Wohnqualität“ gewesen. Auch sogenannte durchgesteckte Grundrisse spielen laut Gräßel bei seinem Entwurf eine wichtige Rolle. Das bedeutet, dass zur lauteren Straßenseite hin im Normalfall keine Schlaf- oder schützenswerten Aufenthaltsräume gelegt werden. Diese orientieren sich nach Möglichkeit ausschließlich in den ruhigen, begrünten Innenhof. Der Innenhof sollte zudem keine „begrünte Restfläche“ werden, so Gräßel „sondern durch den Fußabdruck des Blockrandes so geformt und gegliedert sein, dass nachbarschaftliche Raumzonierungen erzeugt werden.“ 

Klinker als Multitalent für alle Fälle

Als Eckgebäude mit zwei Ansichten kommt dem Bau eine besondere Bedeutung in der Wahrnehmung der Fassaden zu. Dass bei deren Ausgestaltung die Wahl auf Klinker fiel, ist zum einen als modern interpretiertes Zitat des historischen Umfelds zu verstehen, zum anderen birgt das Material diverse bauliche Vorteile. „Tatsächlich hat uns die gegenüberliegende Dr.-Theo-Schöller-Schule in der Entscheidung Klinker an der Außenseite der Blockrandbebauung zu verwenden bestärkt“, so Gräßel. „Damit ergibt sich ein schöner Brückenschlag auf die östliche Seite des Nordwestrings.“ Zudem habe der schwere, massive Klinker „perfekte Eigenschaften für einen wirksamen Schallschutz und eine gute Wärmespeicherfähigkeit. Richtig eingesetzt könne das Material der Fassade außerdem „eine hohe ästhetische Eleganz über viele Jahrzehnte verleihen“.

Runde Sache: Wann die „runde Ecke“ ins Spiel gekommen ist

“Die „runde Ecke“ zur Kreuzung kam im Entwurfsprozess erst relativ spät ins Spiel, erinnert sich der Architekt. Nachdem vorhergehende Lösungen ihn nicht hundertprozentig zufriedengestellt hatten, habe er gedanklich die Architektur des Backsteinexpressionismus herangezogen, in der man mit ornamentaler Formensprache, kantigen, oft spitzen Elementen und mitunter eigenwilligen Formen die Dynamik der Zeit ausdrücken wollte. „Wir testeten diesen Ansatz in den Fassaden, so der Architekt „und die „runde Ecke“ war geboren!“ Interessenten müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden: Mitte 2020 soll zunächst der Bauantrag eingereicht werden, Realisierungsbeginn ist für 2021 geplant.

„Die siebengeschossige Ausgestaltung der Ecke zur Kreuzung und die klare vertikale und horizontale Gliederung der Fassade proportioniert die große Baumasse angenehm und verleiht dem Ort Kraft und Identität. Durch das Abrücken der Baukörper im rückwärtigen Bereich nehmen wir Rücksicht auf die umgebende Bebauung und es entsteht ein angenehmer Vorbereich mit wertvollem Grünraum.“
- Tim Gräßel, Architekt (BDA)

 

 

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